„Wild statt mono“

in Berlin angekommen

 

 

Von der Kreisgruppe Donauwörth über den Stammtisch in Lechsend zum Plenarsaal in Berlin

 


Das Blühflächenprojekt aus dem Landkreis Donau-Ries in Zusammenarbeit mit der KG Donauwörth, des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, der Unteren Naturschutzbehörde, des Bayerischen Jagdverbands und der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim hat sich bewährt und höchste Anerkennung im Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) 2012. das seit dem 1. Januar 2012 in Kraft getreten ist, gefunden. Dort sind die Blühflächen zur energetischen Nutzung in der Rohstoffeinsatzklasse 2 aufgeführt und werden mit 8 Cent pro erzeugter Kilowattstunde Strom, gegenüber 6 Cent pro Kilowattstunde für Mais vergütet.

 

Das von den Initiatoren Waldemar Kalchgruber und Peter Rehm 2009, nach einem Stammtisch in Lechsend, einem Symposium der Kreisgruppe in Eisbrunn mit oben genannten Vertretungen einschließlich Biogasverband hat sich rasant entwickelt.

 

Bei mehreren Diskussionsrunden am „Runden Tisch“, begann die Lawine zu rollen. Der Fachverband Biogas e.V. startete nach dem ersten Treffen sein eigenes Programm „Farbe ins Feld“ das Ende 2011 deutschlandweit mit über 300 ha Wildpflanzen auf ca. 2000 unterschiedlichen Feldern zu Buche schlägt. Am dritten runden Tisch beteiligte sich der Bayerische Bauernverband, welcher die Landwirte darauf in der Presse zu „Blühende Rahmen“ aufrief. Bei der Aktion des Bayerischen Bauernverbandes, die vom Landesverband der Bayerischen Imker unterstützt wird, haben zahlreiche Landwirte in ganz Bayern Blühstreifen mit einer Gesamtlänge von insgesamt 170 Kilometern angelegt. Das entspricht der Wegstrecke von München nach Nürnberg.


Wurden 2010 noch 33 ha Wildpflanzen im Landkreis Donau-Ries angebaut, hat sich die Fläche 2011 mit 67 ha mehr als verdoppelt und dies auf allein freiwilliger Basis. Finanzierung des Saatgutes erfolgte von der Jägerschaft der Kreisgruppe Donauwörth und dem Landesjagdverband bis dato ca. 20.000,-€. Die Wildpflanzenflächen verteilen sich auf 49 verschiedene Standorte des Landkreises und sind ein optischer Blickfang. Rückmeldungen haben ergeben, dass seit der Gründung der Allianz (Biogaser, Landwirte, Jäger, Imker, Naturschutz) die "allgemeine Stimmung", aber noch wichtiger die Kommunikation miteinander, sehr zum Vorteil geändert hat. Man redet miteinander und nicht übereinander und geht gemeinsam diverse Projekte an die am Ende alle Beteiligten zufriedenstellen.


Einer der wichtigsten Partner die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) mit ihrem 2008 gestartetem Forschungsprojekt „Energie aus Wildpflanzen“ in Gemeinschaft des Netzwerkes Lebensraum Brache setzt sich zum Ziel, Wildpflanzenmischungen als Substrat für die Biogasproduktion zu entwickeln und gleichzeitig die Lebensbedingungen für wild lebende Tier- und Pflanzenarten in Ackerbaulandschaften zu verbessern. Damit kann eine wirksame Naturschutzmaßnahme in die ökonomisch rentable Bioenergieerzeugung integriert werden. Zusammen mit dem Saatguthersteller Saaten Zeller wurden die Samenmischungen immer weiter optimiert und sind auf dem besten Weg eine wirtschaftliche Alternative zu bieten.

 

Das Projekt „Wild statt mono“, hat sich nicht nur in Deutschland einen Namen gemacht, auch über die Landesgrenzen hinaus findet es Interessenten. Im Mai 2011 besichtigte ein Biogasanlagenbetreiber aus Dänemark die Blühflächen im Landkreis. Er hatte in der deutschen Fachpresse einen Bericht über die Rieser-Allianz und Peter Rehm gelesen und beabsichtigt Wildpflanzen auch auf seinen Flächen auszubringen. Vor allem die gute wirtschaftliche Ausbeute von bis zu 50 t Frischmasse pro Hektar mit einem Trockenmassegehalt bis zu 16,5 t und einem Energiegehalt bis 15% begeisterten den dänischen Biogasanlagenbetreiber.

 

 

Im Bild v.l.: Inga, Sven, Lars und Hellen aus Dänemark, Fritz Konle, Waldemar Kalchgruber, Peter Rehm.


Ganz ohne Mais wird es in der Energie- und Landwirtschaft nicht gehen, aber mit den Wildpflanzen-Projekten hat sich eine Möglichkeit entwickelt, wirtschaftlich, ohne großen Aufwand, aktiven Naturschutz zu betreiben. Die Entwicklung der Projekte geht weiter und benötigt viele Mitstreiter, die es anpacken wollen, um vielleicht 2012 einer erneute Verdoppelung der Blühflächen im Donau-Ries zu erreichen.

 

P.R. und W.K.